Geschichtliche Daten Stierstadts

791 Gleichzeitige urkundliche Ersterwähnung von „Steorstat“ und Oberursel im Lorscher Codex. Auch die staatliche Zugehörigkeit entspricht einander. Der Ortsname verweist auf eine fränkische Gründung.


1348 Bau der St. Sebastianskapelle, jedoch erfolgt erst 1918 die Erhebung der Kirchengemeinde zur selbständigen Pfarrei durch Abtrennung von Oberursel. Der schiefe Turm der Kapelle bleibt bei den Renovierungen der Kirche erhalten, ja sogar beim Neubau 1826 und 1969/1971.

St. Sebastianskapelle

1537 Stierstadt hat 40 Haushaltungen, vor 1615 ist die Zahl auf 47 gestiegen. 1648 hingegen, nach dem auch in Stierstadt durch Brandschatzung (1622), Plünderungen und Einquartierungen gekennzeichneten Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) leben nur noch 19 Familien und 8 Witwen (als Haushaltsvorstände) im Ort.

1814 Geburt des Publizisten und Heimatdichters Dr. Aloys Henninger. Er gründet 1849 eine private gewerbliche Abendschule in Oberursel und ist Initiator zur Gründung des Oberurseler Lokal-Gewerbevereins

1892 Erste Fabrik im Ort: die Frankfurter Broncefarben- und Blattmetallfabrik in der ehemaligen Neumühle. Während des Zweiten Weltkriegs soll sie als Munitionsfabrik gedient haben. 1947-1990 beherbergt das Anwesen die Glashütte „Hessenglaswerke GmbH“, eine Gründung sudetendeutscher Flüchtlinge.

1918-1929 Französische bzw. englische Besetzung des Orts im Gefolge des Ersten Weltkriegs.

1933 Wie andernorts muß der Bürgermeister einem nationalsozialistischem Nachfolger weichen. Zum 1.1.1934 wird die (demokratische) Gemeindevertretung aufgelöst. Am 29.3.1945 endet mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen das totalitäre Regime und der Zweite Weltkrieg, der viele Menschenleben forderte.

1954 Die „Eremiten-Presse“, 1949 in Frankfurt gegründet, siedelt nach Stierstadt um. Dort verbleibt sie bis 1972. Ihre Erzeugnisse zählen heute zu den bibliophilen Kostbarkeiten.

1971 Städtepartnerschaft mit der niederländischen Gemeinde Ursem (Ursem gehört seit 1979 zur Gemeinde Wester-Koggenland).

1972 Eingliederung der Gemeinde Stierstadt in die Stadt Oberursel (Taunus) im Rahmen der Gebietsreform zum 1.4.1972. Ein Ortsbeirat vertritt seit Oktober 1972 die Interessen des Stadtteils.

Seit 1860 verschob sich die Berufsstruktur des bis dahin bäuerlichen Dorfes zugunsten der Arbeitnehmer. Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich hier eine weitergehende Wandlung zur Wohnstadt. Heute leben in Stierstadt rund 5.700 Einwohner.

"Schloß Sanssouris" steht in Stierstadt am Bahndamm. Hier betrieb Victor Otto Stomps die Eremiten Presse. Schloß Sanssouris ist das Schloß ohne Mäuse - eine Anspielung auf die stets prekäre finanzielle Situation der Eremiten Presse.

Brunnen Heinrich-Geibel-Platz

2003 Enthüllung des Bronzebullens am Trogbrunnen und Taufe des umgebenden Heinrich-Geibel-Platzes. (Bild: A. Henrich)

Katholische Kirche St. Sebastian, Oberursel-Stierstadt
Stierstadt liegt auf altem Kulturboden. Das bezeugt ein Urnenfund (1956) mit Knochenasche aus der Hallstattzeit (um 800 v. Chr.) und eine Römerstraße zum Kastell „Kleiner Feldberg“. Beurkundet ist eine Schenkung an das Kloster Lorsch vom 26.04.791. 1972 wird der Ort zu Oberursel eingemeindet. Bevor 1348 eine St. Sebastian-Kapelle mit Turm erbaut wurde, gingen die Stierstädter nach Oberursel zur Messe. Am 01.07.1898 wurde eine Pfarrvikarie eingerichtet. Ab 1918 ist St. Sebastian eine eigene Pfarrei. Auf den Grundmauern der Kapelle von 1348 wurde 1670 „ein Kirchlein“ errichtet, das 1933 zwei Seitenschiffe erhielt. Nach Plänen von Bernhard Weber (Sohn des bedeutenden Frankfurter Kirchenbaumeisters Martin Weber) entstand ab April 1969 neben dem denkmalgeschützten Turm eine neue Kirche, die am 04.07.1971 eingeweiht wurde. Sie bietet ca. 500 Gläubigen Platz. Um den von Taufbecken und Osterkerze, Ambo und Tabernakel diagonal flankierten Altar (aus Basaltlavastein) versammelt sich die Gemeinde zum Gottesdienst. Das Besonderer der Kirche ist ein expressionistisches Raumgefüge, das in der lichttechnisch und baulichen Überhöhung des Altars mündet, der als gestaltender Mittelpunkt den T-förmigen Kirchenraum bestimmt. Die Ziegelsteine der Wände und des Fußbodens, das helle Fichtenholz der Bänke und der Deckenverkleidung und die ornamentale Farbverglasung des großen Ostfensters ergeben einen hellen, farbigen Innenraum. Der Kirchenraum ist geschmückt durch einen in Lehm gravierten und als Fries in die Innenwände eingefügten Kreuzweg, ein filigranes Altarkreuz, eine Mariakönigin mit Kind und eine spätgotische Kreuzigungsgruppe in der Seitenkapelle. Neben diesen Figuren wurden aus der alten Kirche vier Statuen übernommen, die in der Eingangshalle aufgestellt sind: die hl. Ursula, der hl. Sebastian (vermutlich aus der Riemenschneiderschule), die hl. Barbara und die hl. Maria. Ebenfalls übernommen wurden zwei Fenster in Glasmalerei (Guter Hirt, Maria Magdalena), der alte Taufstein als Altarstein, ein Vierzehnheiligen-Schrein und Glasmalereien (St. Sebastian und Johannes d. Täufer). Im Turm mit einem Rundfenster (Hl. Dreifaltigkeit) hängen drei Bronze-Glocken: Sebastiansglocke (1953, 824 kg, fis’), Marienglocke (1776, 293 kg, h’), Josefsglocke (1953, 192 kg, d’’). Im Schatten der angeblich 1000-jährigen Linde findet sich auf dem Kirchhof ein Kriegerdenkmal von 1871, eine 1958 von heimgekehrten Soldaten erbaute Grotte mit holzgeschnitzter Marienstatue, das Sandsteinkreuz des alten Friedhofs und ein begehbares Labyrinth zur Erinnerung an den Weltjugendtag 2005.